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Lange Geschichte des Schachsports in Mecklenburg

Der gern Bismarck zugeordnete Spruch „Wenn die Welt untergeht, sollte man nach Mecklenburg gehen, da passiert alles 100 Jahre später.“ trifft auf den Schachsport nicht zu.

1851 ließ Heinrich Arminius Riemann die von ihm in Reimen verfassten Einladungen zu den Treffen des Schachclubs zum Vierschach drucken. Dieser Friedländer Schachclub steht mit den 1851 gegründeten Schachvereinen an 4. Stelle der ältesten deutschen Schachvereine.

Im Jahre 1855 erschienen im Verlag von Th. A. Richter in Friedland und in der Druckerei H. Gentz in Neubrandenburg zwei kleine Büchlein:

  • die als Manuskript am 5. Dezember 1854 von August Dühr fertiggestellten „Gesetze für Zwei- und Vier-Schach“ und
  • die von D. D. G. und R. erarbeitete und am 31. März 1855 unterzeichnete „Ordnung des Vierschachclubs“.

Ersteres Büchlein beginnt mit dem Satz: „Ein seit längerer Zeit hier bestehender Verein von Freunden des Schachs empfand das Bedürfnis, feste Regeln über das Vierschach zusammenzustellen…“. Dieser Vierschachclub bestand mindestens seit 1851 und ist damit der sechsälteste Schachverein in Deutschland.

Wer sind die Autoren der „Ordnung des Vierschach-Clubs“? Hinter den Kürzeln verbergen sich 3 Lehrer des Friedländer Gymnasiums, Carl Dietrich (Lehrer in Friedland 1842-1855), Prof. Dr. August Dühr (Lehrer 1840-1886), Heinrich Arminius Riemann (Lehrer 1828-1835, dann Pastor an St. Marien) und der Lehrer der Bürgerschule Carl Eduard Goebler (Lehrer 1837-1878).

Die Ordnung beginnt mit dem Spruch „Jeder stark alleine, stärker im Vereine!“ und der Ernennung von Carl Dietrich zum „Schachkönig“ des Vereins als erfolgreichster Schachspieler des Vorjahres.

Es ist dann formuliert: „Unser Gesetz zeigt bündig und klar die Pflichten und Rechte, welche dem Vierschachclub sichern Gedeih’n und Besteh’n. Ritterlich halte ein jeder, die selbst er sich gab, die Gesetze…“.

In der eigentlichen „Ordnung des Vierschachclubs Localstatut)“ ist festgelegt

  • Die Aufnahme neuer Mitglieder erfolgt durch absolute Stimmenmehrheit.
  • Wünschenswert ist eine gerade Anzahl von Mitgliedern.
  • „Zur Aufnahme von schachliebenden Damen gehört Stimmeneinheit“ – zu dieser Zeit wohl „revolutionärer“ Beschluss.
  • ein besonderes Vereinsabzeichen gab es nicht, aber „Übrigens huldigt der Verein den Farben Schwarz-Rot-Gold“. – und dies trotz der Verfolgungen nach der Revolution 1848/49.
  • Gespielt wurde in der Regel alle 14 Tage, am Montag oder Donnerstag von 18.00 Uhr an mit einer Pause zwischen 20.00 und 21.00 Uhr mit einem Imbiss.
  • Neben diesen regelmäßigen „Sitzungen“ konnten weitere „kleine Sitzungen“ durchgeführt werden.

Die „Ordnung“ endet in einem Epilog über die Freiheitskriege. Die letzte Strophe lautet:

„O, mög‘ das Kleinod, das sie uns erwarben, beschirmet sein für alle Zeit;
Das Vaterland, für das sie freudig starben,
erblüh’n zu größ’rer Herrlichkeit.“

Das Kleinod war die Freiheit Deutschlands, die größere Herrlichkeit die Einheit des Vaterlandes.

1860 veröffentlichte Prof. Dühr zum 25jährigen Dienstjubiläums Riemanns als Pastor eine Sammlung „Schachgedichte alter und neuer Zeit“. In einem Gedicht zur 1855 fertiggestellten „Ordnung“ heißt es in Anlehnung an Theodor Körners „Lützows wilde, verwegene Jagd“:

Wen seh‘ ich dort sitzen beim Lampenlicht
mit ernsten und düsteren Mienen?
Sie sitzen so denkend wie zu Gericht,
sie sitzen so schweigend und lächeln nicht,
als läge ein Zauber auf ihnen!

Wer mögen die stillen Gesellen sein ?
Das ist unser eifriger Schachverein!...

Das Vierschach und das Doppelschach,
die edelen Königsspiele,
sie mögen erfreu’n uns noch manchen Tag
und halten uns munter und wacker und wach
bis zum fernsten Lebensziele!

Und von Enkeln zu Enkeln sei’s fortgesetzt,
das Spiel, das die Väter so oftmals ergötzt.

Der Vierschach-Club hatte zeitweise 8 Mitglieder. Die weiteren Mitglieder waren: Karl Bossart (Pastor ab 1856 St. Nikolai), Prof. Gustav Flemming (Lehrer 1856-1865), Prof. Adolf Funk (Lehrer 1838-1886, 1841-1862 Turnwart) und Gustav Langbein (Rektor der Bürgerschule 1858-1865).

Im Anzeigenteil der Friedländischen Zeitung vom 22. Dezember 1876 konnte man folgende Anzeige lesen: „Jeden Freitag Schachclub im Schützenhaus zu welchen Schachspielfreunde ergebenst eingeladen werden“.

Der Schachsport hatte sich in Friedland den neuen Bedingungen angepasst und existiert bis heute weiter.

Ordnung
August Dühr
Riemann
Lehrerkollegium 1858

Im Januar 2015 Vizemeister-Mannschaft in der WK1 bei den Schulschachmeisterschaften des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg

Fotos E.Wolfgramm (2)

Die erfolgreiche Friedländer Mannschaft v.l. Egon, Theo, Alec, Erik, Valentin

MV-Schulschach-Cup Einzel 2011 in Neustrelitz

Fotos E.Wolfgramm (5)

v.l. Tim, Paul F., Herr Häcker, Paul H.(2.Platz WK1), Janett, Theo(1.Platz WK2)

 

Spieljahr 2008/2009

Fotos G.Zentgraf (5)

 

 

Spieljahr 2007/2008

Fotos G.Zentgraf (5)